Continental Argotal im Test: Spezialist für losen Untergrund

Produkttests

Nach meinen überaus positiven Erfahrungen mit den Hydrotal-Reifen und meiner daraus resultierenden Begeisterung für Continental, war es nur logisch, dem nächsten Modell eine Chance zu geben. Also zog ich mir voller Vorfreude einen Satz Argotal auf die Laufräder. Auf dem Papier sah alles nach einer Wiederholung des Erfolgs aus: gleiches Gewicht, Apex-Karkasse, „Super Soft“-Gummimischung – also beste Voraussetzungen.

Nicht einfach ein zweiter Hydrotal

Trotz der Ähnlichkeiten rechnete ich mit vergleichbarem Fahrverhalten. Ich dachte, ich könnte meine gewohnte Fahrweise beibehalten, nur eben mit etwas mehr Speed und Reaktionsfreude auf leicht abgetrocknetem, losem Boden.

Das war ein Trugschluss.

Vor allem in Situationen mit wenig Druck auf dem Reifen zeigte sich, dass der Argotal auf hartem, unebenem Untergrund deutlich präziser gefahren werden muss. Wer hier verspielt unterwegs ist und mal bewusst „unsauber“ fährt, merkt schnell, wie unruhig das Setup werden kann. Ein bisschen „Party-Modus“ – und man muss plötzlich kämpfen, um die Linie zu halten.

Der Aha-Moment kam im Nadelwald

Trotz dieser ersten Eindrücke fuhr ich den Reifen einige Wochen weiter. Das Gefühl ließ mich nicht los, dass da noch mehr möglich ist – etwas, das ich wortwörtlich noch nicht erfahren hatte.

Die Lösung: Ich brauchte den passenden Untergrund. Meine heimischen Trails sind schlicht zu fest und griffig für den Argotal. Also machte ich mich auf in Nadelwälder und sandige Trails. Und da passierte es: Alles klickte plötzlich.

Wenn der Boden zum Reifen passt, explodiert der Grip

In flachen Kurvenrinnen, ausgelegt mit Tannennadeln, fühlte es sich an, als würde der Reifen unter mir breiter werden. Wie ein Bodenanker, der sich beim Einlenken ausdehnt. Mit jeder Kurve, die ich mit hohem Tempo durchfuhr, wurde der Boden pulverisierter. Es war wie eine Druckwelle, die ich unter mir auslöste – das war einfach geil.

Am Ende konnte man mit der Hand durch den Boden gleiten wie durch Sand. Ich fühlte mich an ein IXS Downhill Cup Rennen in Ilmenau erinnert, das ich vor Jahren gefahren bin. Hätte ich dort diesen Reifen gefahren, wären einige Stellen deutlich entspannter gewesen.

Der Argotal hat eine klare Spezialisierung

Der Continental Argotal ist kein Allrounder – und das ist auch gut so. Er ist ein echter Spezialist für extrem losen, feinkörnigen Untergrund, wie man ihn in Nadelwäldern oder auf sandigen Trails findet. Wer das Bike aktiv und mit Selbstbewusstsein in den Boden drückt, kann sogar in Sektionen mit hartem Boden oder Brechsand noch Kontrolle behalten. Ich musste mich daran aber erst herantasten – „Set and Forget“ war’s bei mir definitiv nicht.

Fazit nach vier Monaten: kein Verschleiß, viel Vertrauen

Nach vier Monaten im Einsatz kann ich sagen: Der Argotal zeigt kaum Verschleiß. Die Haltbarkeit ist absolut in Ordnung – gerade für einen Reifen mit dieser Performance.

Ich empfehle den Reifen in zwei Fällen:

  • Für Racer, die für jedes Terrain den passenden Reifen suchen
  • Für Rider, die hauptsächlich auf sehr losem oder sandigem Untergrund unterwegs sind

Wer vor allem auf harten Böden wie in Bikeparks oder gebauten Trailcentern fährt, ist mit Alternativen wie dem Kryptotal wahrscheinlich besser beraten. Der ist für gemischte Untergründe ausgelegt und deutlich vielseitiger.

Zum Schluss: Testet Spezialreifen!

Ich kann nur jedem empfehlen, sich auf spezialisierte Reifen einzulassen. Es ist faszinierend, wie sehr sich das Fahrverhalten verändert – und wie stark man dadurch seinen eigenen Fahrstil weiterentwickeln kann. Man muss sich nur trauen, etwas Neues auszuprobieren.