Es gibt Rennen, die schreibt man nicht nur in den Kalender, sondern ins Gedächtnis. Das Swiss Epic gehört definitiv dazu: fünf Tage voller Anstrengung, Emotionen, grandioser Trails und unvergesslicher Ausblicke – eingebettet in die Kulisse der Schweizer Alpen. Kein Wunder, dass es direkt nach dem Cape Epic als das härteste und zugleich bestbesetzte Mountainbike-Etappenrennen der Welt gilt.
2025 warteten 307 Kilometer, 9450 Höhenmeter und ein Terrain, das mit technischen Trails und Höhenlagen weit über 2000 Metern selbst erfahrene Fahrer an die Grenzen bringt.
Für uns – Aaron und Niclas – war es nicht das erste große Abenteuer dieser Art. Trotzdem fühlte es sich an, als würden wir Neuland betreten. Denn die Alpen schreiben ihre eigenen Regeln: unberechenbares Wetter, steile Anstiege, raue Trails – aber auch diese atemberaubende Schönheit, die man nirgendwo sonst findet.
Inhalt
Tag 1 – Königsetappe zum Auftakt
Start in Davos: 78 Kilometer, 2400 Höhenmeter und Temperaturen bis 30 Grad. Ungewöhnlich, gleich mit der schwersten Etappe zu beginnen – aber genau das machte den Reiz aus.
Wir kamen gut weg und konnten lange eine starke Pace halten – rund um Platz 25. Doch am Albula-Pass, einem mächtigen Anstieg, musste Niclas rausnehmen. Die Höhe setzte ihm zu, wie schon in früheren Rennen. Für uns bedeutete das: Tempo raus, umstellen auf „gemeinsam ankommen“. Genau darin liegt die Essenz eines Etappenrennens.
Trotz Zeitverlust holten wir am Ende des Anstiegs wieder auf. Der Lohn: ein epischer Downhill-Trail vom Albula-Pass – ein Rausch aus Kurven, Steinen und Wurzeln, eingebettet in eine Landschaft wie aus dem Bilderbuch.
Ergebnis: Platz 32 – kein Raketenstart, aber ein solider Einstieg.
Tag 2 – Die Höhen machen den Unterschied
Rund um La Punt warteten 61 Kilometer, 1950 Höhenmeter – fast durchgehend über 2000 Metern Seehöhe. Eine echte Belastungsprobe.
Schon der erste lange Anstieg führte über die Baumgrenze hinaus, gefolgt von einem Trail, der fahrbar, aber technisch fordernd war. Für Niclas war es ein harter Tag – die dünne Luft kostete Kraft, Aaron musste immer wieder das Tempo anpassen.
Der große Lichtblick: der Olympia-Trail auf 2500 Metern. Schnell, flowig, technisch – hier konnten wir beide das Fahren genießen.
Am Ende stand Platz 37 – viel verloren, aber noch mehr gewonnen: Erfahrung, Teamgefühl und die Gewissheit, gemeinsam durchzuziehen.
Tag 3 – Zeitfahren am Berninapass
Zeitfahren bei einem Etappenrennen? Immer etwas Besonderes. Kein Windschatten, keine Gegner – nur Pacing, Konzentration und das Zusammenspiel im Team.
Von 2300 Metern am Berninapass ging es über 55 Kilometer mit 1200 Höhenmetern und satten 1800 Tiefenmetern zurück nach La Punt. Die ersten 20 Kilometer: fast nur Singletrails bergab, technisch und schnell. Wir entschieden uns bewusst für eine sichere Linie – und lagen damit goldrichtig. Während andere Teams Stürze oder Defekte kassierten, kamen wir sauber durch.
Ab Kilometer 20 wurde es wellig. In den kleinen Anstiegen konnten wir Tempo machen, Niclas setzte sich ein mentales Ziel bei Kilometer 42 – und zog durch. Danach übernahm Aaron die Führung bis ins Ziel.
Belohnung: Platz 25 – unser bestes Tagesergebnis und ein starkes Zeichen für unsere Teamdynamik.
Tag 4 – Über den Scalettapass
Der gefürchtete vierte Tag – mit dem legendären Scalettapass auf 2600 Metern. Aufgrund drohender Gewitter wurde die Etappe auf 52 Kilometer und 1700 Höhenmeter verkürzt. Doch die Herausforderung blieb.
Die ersten Kilometer waren schnell. Dann, ab Kilometer 23, ging es in den langen Anstieg: zuerst Schotter, dann Trail – steil, technisch und zunehmend rutschig im Regen. Teilweise mussten wir absteigen und schieben. Geduld war gefragt.
Oben lagen wir auf Platz 25. Doch die 20 Kilometer lange Abfahrt war heikel: nass, steinig, rutschig – und gefährlich. Wir entschieden uns erneut für Sicherheit statt Risiko. Andere stürzten oder mussten aufgeben.
Am Ende standen wir auf Platz 31 – zufrieden und sturzfrei. Und das war an diesem Tag mehr wert als jede bessere Platzierung.
Tag 5 – Finale in Davos
Die letzte Etappe: 49 Kilometer, 2000 Höhenmeter – ein echter Klettertest. Von Davos ging es direkt auf den Panoramaweg auf 2300 Metern. Die Sonne begrüßte uns mit einem Lächeln – und der Panorama-Trail war ein Genuss: flowig, schnell, spektakulär.
Wenig später jedoch: Wetterumschwung. Dichte Wolken, rutschige Trails, Wurzeln. Viele Teams stürzten, manche gaben auf. Niclas kämpfte mit Erschöpfung, hielt aber durch.
Die letzten 20 Kilometer forderten noch einmal alles. Ein finaler Anstieg, ein letzter Push – dann rollten wir nach fünf intensiven Tagen zurück nach Davos.
Etappe: Platz 31
Gesamtwertung: Platz 29 – und damit offiziell: Epic Legends.
Für Niclas war es bereits das vierte Rennen der Epic Series, für Aaron das dritte – aber dieses war definitiv das eindrücklichste.
Material und Verpflegung – unser Schlüssel zum Erfolg
Fitness allein reicht nicht für fünf Tage Swiss Epic. Was zählt, ist ein Setup, dem man vertrauen kann – und das hat bei uns gepasst.
Unsere Reifenwahl fiel auf die Continental Dubnital Race Rapid 2.4 – top Grip, keine Defekte, selbst bei Nässe. Gerade in den ruppigen Abfahrten war das ein Sicherheitsplus.
Auch unser Trinksystem – der USWE Race 2.0 – hat sich bewährt. Kein Wackeln, kein Verrutschen, dafür konstant Flüssigkeit auf dem Rücken – besonders wertvoll bei langen Etappen ohne Verpflegungsstation.
Die Ernährung spielten wir konsequent über Amacx: stündlich rund ein Liter Flüssigkeit mit 120 Gramm Kohlenhydraten. Turbo Drink Mix im Bidon, vor technischen Schlüsselstellen zusätzlich ein Turbo Gel mit Koffein. Keine Einbrüche, kein Hungerast – die Energieversorgung hat durchgehend funktioniert.
Unser Bike: das Scott Spark – leicht, effizient bergauf, agil bergab. Dazu Northwave-Bekleidung, ein präzise eingerichtetes Garmin Edge MTB und eine Rennstrategie, die auf Konstanz statt Risiko setzte.
Kurz: Unser Material war genauso auf den Punkt wie wir selbst.
Fazit – ein Rennen, das bleibt
Das Swiss Epic ist mehr als nur ein Rennen. Es ist ein Abenteuer, eine Herausforderung – und ein Erlebnis, das man nicht vergisst.
Die Trails im Engadin, die Ausblicke rund um Davos, der Scalettapass, der Berninapass, das Wetter – all das macht dieses Etappenrennen so besonders.
Wir haben gekämpft, gelitten, gelacht – und am Ende gefinisht. Und vielleicht ist genau das das Entscheidende: Nicht die Platzierung bleibt, sondern das, was man unterwegs erlebt hat.
Swiss Epic 2026 – wir kommen wieder.





