Die neuen Continental MTB-Reifen – im Test

Produkttests

In den letzten Jahren hat sich im Bereich der Mountainbike- und insbesondere der Cross-Country-Reifen viel getan. Marken wie Schwalbe, Maxxis oder Vittoria haben regelmäßig neue Modelle vorgestellt, die den steigenden Ansprüchen des modernen XC-Sports gerecht werden sollten. Breitere Felgen, technische Rennstrecken und der Trend zu 2,35er- oder sogar 2,4er-Reifen haben das Bild verändert.

Continental hingegen wirkte lange still. Ihre Klassiker – allen voran der Race King – galten zwar weiterhin als Benchmark in Sachen Rollwiderstand, doch während die Konkurrenz breiter und griffiger wurde, bot Conti den Race King lange Zeit fast ausschließlich in 2.1 oder 2.2 Zoll an.

Und trotzdem: Der Race King war und blieb ein Publikumsliebling. Wer Geschwindigkeit wollte, griff fast automatisch zu ihm. Doch mit der Zeit wurde es immer offensichtlicher, dass er auf den moderneren, technisch anspruchsvollen Kursen seine Grenzen hatte.

Daher war die Spannung in der Szene groß, als Continental ankündigte, endlich neue Modelle auf den Markt zu bringen. Die zentrale Frage: Kann Conti wieder ganz vorne mitspielen – und die Fans ebenso wie die Profis überzeugen?

Die neuen Modelle im Überblick

Continental bringt gleich drei neue Reifenfamilien: Magnotal, Trinotal und Dubnital. Jeder Reifen ist klar positioniert, um verschiedene Fahrergruppen und Einsatzbereiche abzudecken.

Magnotal – der Trail-Experte

Der Magnotal ist ein klassischer Trailreifen. Mit seinem grobstolligen Profil ist er für den harten Einsatz auf Enduro- und Trail-Bikes konzipiert. Besonders interessant: Er ist als echter Allround-Reifen gedacht, der sowohl vorne als auch hinten gefahren werden kann.

Merkmale: 

  • Grobes, offenes Profil für maximale Traktion 
  • Ausgelegt auf Kontrolle und Haltbarkeit 
  • Optimal für Fahrer, die im alpinen Gelände oder auf anspruchsvollen Trails unterwegs sind 

Trinotal – der vielseitige Allrounder für XC

Der Trinotal ist der direkte Nachfolger des Cross King. Continental hat ihn für Cross-Country- und Marathon-Fahrer entwickelt, die Wert auf Grip und Vielseitigkeit legen.

Er ist deutlich grobstolliger als der Race King, bleibt aber im XC-Bereich angesiedelt. Besonders auf nassen oder technisch anspruchsvollen Kursen soll er überzeugen – vor allem als Vorderreifen.

Merkmale: 

  • Bietet spürbar mehr Grip als der Race King 
  • Überzeugt im Nassen mit guter Selbstreinigung 
  • Ideal in Kombination mit einem schnelleren Hinterreifen wie dem Dubnital 

Dubnital – die Evolution des Klassikers

Der Dubnital tritt das Erbe des legendären Race King an. Schon auf den ersten Blick wird klar: Er bleibt seiner Linie treu, hat aber ein deutlich moderneres Profil.

  • Stollen etwas weiter auseinandergezogen 
  • Seitenstollen stärker angewinkelt für besseren Kurvengrip 
  • Profil grobstolliger, um sich besser an moderne XC-Kurse anzupassen 

Der Dubnital will genau das sein, was viele Fahrer vom Race King vermisst haben: ein schneller, aber zugleich vielseitiger Reifen, der auch in technischem Gelände besteht.

Karkassen und Compounds: Mehr Auswahl für den Fahrer

Eine echte Neuerung bei Continental ist die Vielfalt an Karkassen und Gummimischungen. Damit holen sie auf, was andere Hersteller schon länger machen: dem Fahrer die Wahl lassen.

Karkassen 

  • Trail-Karkasse: stabiler, robuster, schnittsicherer. Erlaubt weniger Luftdruck, was mehr Grip bringt – ideal für steiniges Gelände. 
  • Race-Karkasse: das Leichtgewicht im Programm. Bietet maximale Geschwindigkeit bei trotzdem überraschend guter Pannensicherheit. 

Compounds (BlackChili-Mischungen) 

  • Soft Compound: nur für den Magnotal erhältlich. Maximaler Grip, perfekt für technische Trails. 
  • Grip Compound: für alle drei Reifen verfügbar. Mehr Halt auf nassen und steinigen Untergründen, gute Wahl für den Vorderreifen. 
  • Race Compound: härter, langlebiger und der schnellste Compound. Optimal für den Hinterreifen, wenn es um geringsten Rollwiderstand geht. 

Damit können Fahrer ihre Setups sehr individuell abstimmen: schnell und leicht oder stabil und griffig – je nach Bedarf.

Der Praxistest: Dubnital Race Rapid

Als Profi-Rennfahrer habe ich natürlich sofort den Dubnital Race Rapid ausprobiert. Die Daten klangen fast zu gut:

  • 650 g Gewicht bei 2,4 Zoll Breite 
  • härtester (und schnellster) Compound 
  • direkter Nachfolger des Race King 

Meine Skepsis war groß. Ein Reifen, der ganze 100 g leichter ist als die Konkurrenz – kann der wirklich mithalten? 

Nach 12 Renntagen und über 3.000 km habe ich eine klare Antwort: Ja, er kann.

Meine Eindrücke 

  • Rollwiderstand: extrem niedrig, vergleichbar mit einem Schwalbe Rick XC – beeindruckend für ein gröberes Profil. 
  • Haltbarkeit: überdurchschnittlich. Während ein Rick XC Pro bei mir nach 8 Renntagen am Hinterrad verschlissen war, hielt der Dubnital deutlich länger. 
  • Pannensicherheit: selbst harte Rennen wie das Andorra Epic oder Swiss Epic (bekannt für spitze Steine) überstand er ohne Defekte an der Karkasse. Nur ein Platten – selbstverschuldet durch einen Durchschlag bei 40 km/h – trat auf. 

Fazit: Der Dubnital ist nicht nur schneller, sondern auch robuster, als ich erwartet hatte. 

Kombinationen für verschiedene Bedingungen

Ein großer Vorteil der neuen Conti-Serie ist die Möglichkeit, Reifen nach Einsatzbereich zu kombinieren.

  • Trocken & schnell: Dubnital vorn und hinten, jeweils mit Race-Karkasse und Race Compound. 
  • Nass & technisch: Trinotal vorne (Grip Compound, Trail-Karkasse) + Dubnital hinten (Race Compound, Race-Karkasse). 
  • Trail & Enduro: Magnotal in Soft Compound, vorne wie hinten. 

Diese Vielfalt macht das Line-up deutlich flexibler und erlaubt es jedem Fahrer, sich sein persönliches Set-up zusammenzustellen.

Vergleich zur Konkurrenz

Wie schlägt sich Continental im Vergleich zu Schwalbe, Maxxis & Co.? 

  • Schwalbe (z. B. Racing Ralph, Racing Ray, Wicked Will): stark bei Grip und Selbstreinigung, oft aber schneller verschlissen. 
  • Maxxis (Aspen, Rekon Race): weit verbreitet im XC-Zirkus, hervorragender Grip, dafür teilweise höheres Gewicht. 
  • Vittoria (Mezcal, Barzo): beliebt wegen Vielseitigkeit, oft gute Balance zwischen Speed und Grip. 

Hier setzt Continental nun einen Kontrapunkt: niedriger Rollwiderstand, geringes Gewicht und überraschend hohe Haltbarkeit.

Persönliche Empfehlung

Wenn ich die Reifen einem Fahrer empfehlen müsste, sähe es so aus: 

  • Dubnital: Für alle, die Rennen fahren und maximale Effizienz wollen. Ideal als Hinterreifen. 
  • Trinotal: Für technisch anspruchsvolle Kurse, besonders bei Nässe – klarer Favorit für das Vorderrad. 
  • Magnotal: Für Trailfahrer, die Grip und Kontrolle über alles stellen. 

Mein Tipp für Marathons: Dubnital hinten + Trinotal vorne. Das gibt die perfekte Mischung aus Speed, Kontrolle und Sicherheit.

Fazit: Continental ist zurück

Mit dem Magnotal, Trinotal und Dubnital bringt Continental endlich wieder moderne MTB-Reifen auf den Markt, die den gestiegenen Anforderungen gerecht werden.

  • Mehr Grip 
  • größere Auswahl an Breiten 
  • neue Karkassen und Compounds 
  • spürbar bessere Haltbarkeit 

Der Dubnital hat mich in der Praxis voll überzeugt. Er rollt schnell, hält lange und bietet mehr Sicherheit als sein Vorgänger. Der Trinotal ergänzt ihn perfekt bei schwierigen Bedingungen, und der Magnotal macht die Serie für Trail- und Endurofahrer komplett.

Mein Fazit: Continental hat nicht nur aufgeholt, sondern setzt mit der Kombination aus Gewicht, Rollwiderstand und Haltbarkeit ein starkes Statement. Für viele Racer dürfte der Dubnital in Zukunft der neue Standardreifen werden.